Eine Rundreise durch die Provinz Matera

Matera
Matera Rundreise

Normal ist das nicht!?

Start und Ziel dieser herrlichen Rundreise durch die Provinz Matera ist das gleichnamige Städtchen. Die Kulturhauptstadt Europas 2019 begeistert Motorradreisende ebenso wie die liebliche Landschaft der Basilikata, durch die unzählige Kilometer traumhafter Motorradstrecken führen.

Matera – welch eine Stadt! Ein eigenes, dickes Buch ließe sich füllen mit der Geschichte und all den Geschichten über diese einmalige, lukanische Stadt inmitten der Basilikata, deren Felsenkirchen und Höhlenwohnungen schon 1993 in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen wurden. Tage ließen sich hier zubringen, immer neue Eindrücke gewinnen und Überraschungen entdecken. Aber auch die gleichnamige Provinz, die spannende Region rund um die Provinzhauptstadt, hat ihre Reize und lockt nicht nur mit abwechslungsreichen und herausragenden Moppedstrecken.

Matera Rundreise

Keine vierzig Kilometer Luftlinie liegt Matera entfernt von der Küste des Ionischen Meeres, vom Golf von Táranto. Und schnurstracks in diese südliche Richtung führt uns der Weg für heute hinaus aus dieser unglaublichen Stadt und hinein in die abwechslungsreiche Landschaft der Basilikata. Auf der Strada Provinciale 3 folgen wir dem Fluss Gravina di Matera, dem Matera letztlich seine einzigartige Topografie zu verdanken hat. Kaum haben wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen, wird es einsam um uns herum. Sanft schwingt sich der Asphalt durch das hügelig gewellte Land. Uralte, knorrige Olivenbäume stehen direkt am Straßenrand Spalier, bis zum Horizont reichen die Getreidefelder, Äcker und Wiesen. Nur vereinzelt liegt hier und da mal ein kleiner Hof oder ein Weiler.

 

Kurz vor Montescaglioso ändert sich das Bild deutlich. Erst sind es nur ein paar Kurven, dann überrascht uns die erste knackige Kehre und mit eine paar weiteren spaßigen Serpentinen geht es hinauf auf die Kuppe, auf der die weiße Stadt weithin gut sichtbar thront. Mit seiner historischen Altstadt, der mächtigen Benediktinerabtei, den einladenden Plätzen und Gassen schlägt das bildschöne Bergdorf das ganze Jahr über zahlreiche Besucher in seinen Bann. Wir versorgen uns in einem der kleinen Lebensmittelläden für unser Picknick. Frisches Brot und etwas Käse aus der regionalen Landwirtschaft, natürlich dürfen auch ein paar leckere Tomaten nicht fehlen. Auf den angebotenen Wein aus der Region müssen wir leider vorerst verzichten, das wäre keine gute Idee unterwegs.

Matera Rundreise

In südlicher Richtung entlässt uns Montescaglioso in das Tal des Brádano und von hier wäre es fast nur noch ein Katzensprung bis zur Küste. Wir wollen auch ans Wasser. Bei uns steht aber nicht das Meer auf der Liste, sondern der Lago di San Giuliano. Eingebettet zwischen kleinen dichten Wäldern und einigen wenigen offenen Strandabschnitten glitzert dessen Wasser türkis in der Sonne. Leider ist es für unser Picknick noch zu früh und so lassen wir das eine oder andere gemütliche Plätzchen links liegen und folgen der kurvenreichen und schmalen Landstraße nördlich des Sees. Eine Strecke, die Kiki und mich richtig begeistert. Auch hier dominieren weite, offene Landstriche mit den für die Basilikata so typischen hügeligen Feldern, den kleinen, überschaubaren Weinlagen und den oft schon so alten Olivenhainen. Der warme Fahrtwind trägt den würzigen Duft der Macchia in den Helm. Nur wenige Minuten später führt der Asphalt über eine hohe Kuppe und gibt den Blick über die ganze umliegende Region frei. Uns zu Füßen liegt unter dem blauen Himmel der riesige Stausee – ein toller Ausblick. Über Masseria Cagnolino umrunden wir den Lago und landen auf der Strada Statale 7. Der auch als Via Appia bekannte Verlauf der Staatsstraße existiert bereits seit dem Jahr 312 vor Christus. Der römische Konsul Appius Claudius Caecus ließ die rund 550 Kilometer lange Verbindung zwischen Rom und Brindisi bauen und schuf damit eine der wichtigsten Handelsstraßen des Römischen Reichs. Für uns bedeuten die nun folgenden rund 60 Kilometer auf der Via Appia jede Menge Fahrspaß. Zügig geht es mit einem bunten Mix von Schräglagen und entspannten Cruising-Etappen durchs Land.

Matera Rundreise
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Wir passieren Grassano und Tricárico, biegen bei Valico Tre Cancelli in nördlicher Richtung auf die SP38 ab und finden uns hier inmitten dichter Wälder wieder. Mit einem großen Bogen über San Chirico Nuovo und Corona steuern wir erneut auf Grassano zu, um schließlich kurz vor dem Ort auf die spannende SP209 abzubiegen. Wieder eine Straße ganz nach unserem Geschmack. Kurve für Kurve düsen wir durch die Landschaft, sind auch hier wieder fast alleine unterwegs und genießen die herrlichen Ausblicke. Die Ausschilderung der Kurven auf den Straßen der Basilikata wird wohl für Kiki und mich immer und ewig ein Mysterium bleiben. Nach einigen kernigen Kurven kommt ein Schild, dass vor einer Kurve warnt. Diese geht dann relativ entspannt ums Eck und wenn sich die nächsten richtigen Schräglagen ankündigen ist von einem Schild nichts zu sehen. Nicht viel anders ist es auch beim Zustand des Asphalts. Bisweilen gibt es auf den Straßen Süditaliens ganz ordentliche Verwerfungen. Meistens warnen Schilder davor, aber eben nicht immer. Gerade als motorisierter Zweiradfahrer tut man gut daran, seine eigene Sicht auf die Straße zu haben und sich nicht zu sehr auf irgendwelche Verkehrsschilder zu verlassen. Übrigens, manchmal ersetzen ausgeschilderte Geschwindigkeitsbegrenzungen auch einfach die nötigen Straßeninstandsetzungen. Klar – drei, vier Verkehrsschilder sind schon deutlich preiswerter als 50 laufende Meter Asphaltdecke.

Matera Rundreise

Je näher wir Irsina kommen, umso dunkler wird es. Eine dicke, schwarze Wolkenfront macht sich auf dem eben noch so blauen Himmel breit. Kurz überlegen wir, in die andere Richtung Reißaus zu nehmen, halten dann aber doch den Kurs bei. Und kaum haben wir das kleine, schmale Stadttor der historischen Altstadt Irsinas passiert, klatschen die ersten Tropfen aufs Visier. Glück muss man haben, gleich hinter dem Tor auf der Piazza Giuseppe Garbaldi scheint das nette Caffè Ducale nur auf uns zu warten. Wir flüchten in die Bar und der freundliche Wirt versorgt uns gleich mit einem leckeren Cappuccino und köstlichem hausgemachten Kuchen, während draußen ein ordentliches Sommergewitter herunter kommt. Eine halbe Stunde später ist von dem Spuk nichts mehr zu sehen. Auf dem warmen Asphalt verdunsten ruckzuck auch die letzten Tropfen. Noch ein bisschen Smalltalk mit dem Chef des Hauses, noch ein Foto vom tollen Aussichtspunkt direkt an der Bar, dann sitzen wir schon wieder auf der Honda und rollen durch die Gassen der schönen Altstadt Irsinas.

HONDA CB- Ausfahrt

Nordöstlich von Irsina, nur sechs Kilometer entfernt, liegt die nahezu unsichtbare Grenze von der Basilikata hinüber nach Apulien. Nur ein dezentes Schild weist darauf hin, dass wir hier die Region wechseln. Ein paar Minuten später rollen wir nach Gravina in Púglia hinein. Gravina ist der Sitz des  riesigen Parco Nazionale dell’Alta Murgia, gleich nördlich gelegen und ein Paradies für Naturfreunde, Wanderer und Mountainbiker. Außerdem glänzt Gravina mit einer interessanten Altstadt und vielen historischen Bauten. Für Kiki und mich ist das schöne Städtchen die letzte Station auf dieser Runde durch die Provinz Matera und den kurzen Abstecher nach Apulien. Auf den letzten zwanzig entspannten Kilometern zurück nach Materna lassen wir uns nochmal ordentlich Fahrtwind ins Gesicht wehen. Morgen werden wir einen mehr oder weniger motorradfreien Tag einlegen, Materna wartet schließlich auf unseren Besuch.

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HONDA CB- Ausfahrt

Dieser Text ist ein Auszug aus dem aktuellen Motorrad-Reiseführer Süditalien von Hans Michael Engelke. Wie die anderen Bände dieser Reihe beschreibt auch dieser auf 192 Seiten zehn abwechslungsreiche Touren durch die Region, allesamt mit vielen Insidertipps, ausführlichem Kartenmaterial mit eingezeichneter Route, zahlreichen Hinweisen und den GPS-Daten zum Download. Die Bücher kosten 22,95 Euro, es gibt sie im Buchhandel und natürlich auch mit Widmung direkt vom Autor unter www.engelke.tv